Die Belüftung in Schafställen hat zwei Aufgaben: Im Sommer soll ein Luftstrom über die Tiere geführt werden, um Hitzestress zu reduzieren; im Winter sollen Feuchtigkeit und Ammoniak ohne Zugluft aus dem Stall abgeführt werden. Obwohl diese Anforderungen gegensätzlich wirken, beruhen beide auf demselben Prinzip – die Luft muss sich im Stall kontinuierlich und kontrolliert bewegen. Im Sommer sollte die Luftbewegung auf Tierhöhe spürbar sein, im Winter dagegen oberhalb des Rückens der Tiere verlaufen.
Der häufigste Fehler in der Praxis besteht darin, den Stall im Winter vollständig zu schließen und im Sommer komplett zu öffnen. In einem geschlossenen Stall sammeln sich Feuchtigkeit und Ammoniak an und Atemwegserkrankungen treten in der Herde auf; in einem vollständig offenen Stall kann die Luft an heißen Sommermittagen stillstehen, sodass Schatten allein keine ausreichende Kühlung bietet. Im Folgenden erläutern wir praxisnah, wie Schafe auf Hitzestress reagieren, welche Folgen schlechte Belüftung hat, welche Lösungen für offene, halboffene und geschlossene Ställe geeignet sind und wie Ventilatoren richtig positioniert werden.
Wie reagieren Schafe auf Hitzestress?

Dank ihrer Wolle sind Schafe sehr kälteresistent; problematisch ist vor allem Hitze. Die Wolle wirkt wie eine Isolierschicht und erschwert die Abgabe der Körperwärme. Da Schafe nur begrenzt Schweißdrüsen besitzen, erfolgt die Abkühlung überwiegend über die Atmung.
Die ersten Anzeichen von Hitzestress sind deutlich sichtbar: erhöhte Atemfrequenz, Atmen mit offenem Maul, geringere Futteraufnahme, Gedränge an den Tränken und regungsloses Verweilen im Schatten. Wenn diese Symptome auftreten, haben Leistungseinbußen bereits begonnen.
Die Auswirkungen von Hitzestress auf die Leistung lassen sich in drei Bereiche einteilen:
- Futteraufnahme und Lebendgewichtszunahme sinken. Bei Hitze vermeiden die Tiere die Futteraufnahme; bei Mastlämmern sinkt die tägliche Gewichtszunahme.
- Milchleistung und Milchqualität nehmen ab. Bei Milchschafen sinken sowohl die Milchmenge als auch der Trockenmassegehalt.
- Die Fruchtbarkeit wird beeinträchtigt. Dies ist die kostspieligste Folge. Bei Böcken wird die Spermienqualität direkt durch Hitze beeinträchtigt, und die Erholung kann Wochen dauern; bei Mutterschafen steigt in der frühen Trächtigkeit der Embryonenverlust. Schlechte Ergebnisse bei der Belegung im Spätsommer sind häufig eine Folge des Hitzestresses im Juli und August.
Probleme durch unzureichende Belüftung im Schafstall
Geruch ist das erste Anzeichen unzureichender Belüftung, die eigentlichen Schäden entstehen jedoch im nicht sichtbaren Bereich.
Feuchtigkeitsansammlung. Schafe erzeugen durch Atmung und Einstreu kontinuierlich Wasserdampf. Wird diese Feuchtigkeit nicht abgeführt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, die Einstreu wird nass und an den Wänden bildet sich Kondenswasser. Im Stall sollte eine relative Luftfeuchtigkeit von 50–80 %, vorzugsweise 60–70 %, angestrebt werden. Zur Feuchteregulierung gelten auch die Methoden aus unserem Beitrag über die Reduzierung der Stallfeuchtigkeit für Schafställe.
Ammoniak. In nasser Einstreu zersetzt sich Urin und setzt Ammoniak frei. Ammoniak reizt das Atemwegsepithel, schwächt die Abwehrkräfte der Tiere und begünstigt bakterielle Infektionen. Wenn der Mensch Ammoniak bereits riecht, ist die Konzentration für die Tiere schon als hoch anzusehen.
Atemwegserkrankungen. Wenn Feuchtigkeit, Ammoniak und Staub zusammenkommen, nehmen Lungenentzündungen zu. Besonders bei Lämmern steigt die Verlustrate. Hustenprobleme in geschlossenen Ställen im Winter werden meist nicht durch Kälte, sondern durch unzureichende Belüftung verursacht.
Probleme mit Einstreu und Klauen. Dauerhaft feuchte Einstreu weicht die Klauen auf und begünstigt Klauenerkrankungen. Hinweise zu Boden und Einstreu finden Sie in unserem Beitrag über die richtige Gestaltung von Stallböden für weitere Informationen.
Unterschied zwischen natürlicher und mechanischer Belüftung

Natürliche Belüftung nutzt den Auftrieb warmer Luft und die durch Wind entstehenden Druckunterschiede. Luft strömt durch Öffnungen in den Seitenwänden ein und verlässt den Stall über eine Öffnung am Dachfirst. Bei richtiger Dimensionierung arbeitet das System ohne Energieverbrauch.
Die Grenze liegt in der Abhängigkeit von den Außenbedingungen. An einem windstillen Sommermittag bei 33 °C Außentemperatur schwächt sich der Kamineffekt ab und im Stall bewegt sich die Luft kaum. Genau dann, wenn die Tiere den größten Luftstrom benötigen, ist das System am wenigsten wirksam.
Mechanische Belüftung schließt diese Lücke. Ventilatoren bewegen die Luft unabhängig von den Außenbedingungen. Sinnvoll ist es, beide Systeme als Ergänzung und nicht als Alternative zu planen: Die natürliche Belüftung übernimmt den Grundluftwechsel, während Ventilatoren bei Luftstille und in Hitzeperioden zugeschaltet werden. Einen allgemeinen Vergleich finden Sie in unserem Beitrag über Arten der Stallbelüftung für weitere Details.
Belüftungslösung nach Stalltyp

| Stalltyp | Hauptproblem | Empfohlene Lösung |
|---|---|---|
| Offener Stall | Ausreichender Luftwechsel, aber Luftstille an windlosen Tagen und Wärmestau unter Schattenbereichen | Umluftventilator unter dem Schattendach; Windschutzvorhang gegen die vorherrschende Windrichtung im Winter |
| Halboffener Stall | Im geschlossenen Bereich stagniert die Luft; zwischen offenem und geschlossenem Bereich entstehen Totzonen | Ventilator zur Versorgung des geschlossenen Bereichs; verstellbarer Seitenvorhang |
| Geschlossener Stall | Ansammlung von Feuchtigkeit und Ammoniak; der Luftwechsel stoppt, wenn im Winter die Türen geschlossen werden | Firstöffnung und verstellbarer Seiteneinlass; ganzjährig arbeitender Umluftventilator |
Für alle drei Typen gilt: Lufteinlass und Luftauslass müssen gemeinsam geplant werden. Ein Stall mit nur einer Abluftöffnung hat keinen wirksamen Luftstrom; ohne Zuluft kann auch die Abluft nicht richtig funktionieren.
Kühlung im Sommer: Ventilatoreinsatz und richtige Positionierung
Bei der Sommerkühlung geht es nicht darum, die Stallluft abzukühlen – das ist weder praktikabel noch wirtschaftlich. Ziel ist es, ausreichend schnelle Luft über die Tiere zu führen, um Körperwärme abzuführen. Bei gleicher Temperatur fühlt sich eine Umgebung mit Luftbewegung für das Tier deutlich kühler an.
Die angestrebte Luftgeschwindigkeit auf Tierhöhe liegt bei etwa 1–2 m/s. Unterhalb dieses Bereichs ist die Kühlwirkung gering.
Wichtige Punkte bei der Positionierung:
- Liegebereiche haben Priorität. Schafe verbringen einen großen Teil des Tages im Liegen; der Luftstrom muss die Liegebereiche erreichen.
- Futter- und Tränkelinien haben zweite Priorität. Ein kühler Bereich vor den Futterplätzen hilft, den Rückgang der Futteraufnahme bei Hitze zu begrenzen.
- Totluftbereiche müssen erkannt werden. In Ecken, an Wänden und zwischen Abtrennungen stagniert die Luft; dort sammeln sich Feuchtigkeit und Ammoniak.
- Ablammbuchten müssen separat betrachtet werden. Neugeborene Lämmer müssen vor direktem Luftstrom geschützt werden.
An diesem Punkt ist die Wahl des Ventilatortyps entscheidend. Viele kleine Ventilatoren erzeugen einen schmalen, starken Luftstrahl mit begrenzter Reichweite; einige Tiere stehen im Luftstrom, andere werden kaum erreicht. Großdurchmessrige, langsam laufende HVLS-Deckenventilatoren drücken eine breite Luftsäule langsam nach unten und verteilen sie am Boden, sodass im gesamten Stallquerschnitt ein gleichmäßiger Luftstrom entsteht. Durch die niedrige Drehzahl ist auch der Geräuschpegel gering, was die schnelle Gewöhnung der Tiere erleichtert.
Remair HVLS-Ventilatoren sind mit 4, 5 und 6 Metern Durchmesser erhältlich, sodass die Größe passend zur Stallbreite gewählt werden kann. Wie viele Ventilatoren benötigt werden, hängt von Stallfläche, Deckenhöhe und Abteilungsstruktur ab; die Berechnungslogik erläutern wir anhand eines Beispiels in unserem Beitrag über wie viele HVLS-Ventilatoren für 1000 m² benötigt werden mit einem Praxisbeispiel.
Belüftungsbalance im Winter: Feuchtigkeit ohne Zugluft abführen
Winterbelüftung dient nicht der Kühlung, sondern dem Abtransport von Feuchtigkeit und Ammoniak. Daher ist auch die Ziel-Luftgeschwindigkeit eine andere: Auf Tierhöhe sollte sie 0,3 m/s nicht überschreiten. Höhere Geschwindigkeiten erzeugen bei kaltem Wetter Zugluft und können Atemwegserkrankungen begünstigen.
In der Praxis sollte die Luftbewegung im Winter oberhalb der Rückenhöhe der Tiere gehalten werden. Läuft ein Umluftventilator langsam und nach oben gerichtet, mischt er die unter der Decke angesammelte warme Luft nach unten. Dadurch wird Kondensation an der Decke reduziert, ohne dass ein direkter Luftzug auf die Tiere trifft. Bei Ventilatoren mit Umkehrbetrieb ist dieser Modus für den Winter vorgesehen.
Den Stall im Winter vollständig zu schließen, ist einer der häufigsten Fehler. In einem zur Wärmeerhaltung abgeschlossenen Stall können Feuchtigkeit und Ammoniak innerhalb von 24 Stunden gesundheitsgefährdende Werte erreichen. Schafe vertragen Kälte; feuchte und belastete Luft vertragen sie nicht. Informationen zur Berechnung des Luftwechselbedarfs finden Sie in unserem Beitrag über die Berechnung der Luftwechselrate (ACH) als praktische Orientierung.
Für die allgemeine Systemplanung in Kleinwiederkäuerbetrieben einschließlich Ziegenställen empfehlen wir unseren Beitrag über Belüftungssysteme in der Schaf- und Ziegenhaltung und für den Vergleich mit Rinderställen die richtige Stallbelüftung in unseren entsprechenden Beiträgen.
Planen wir gemeinsam die passende Lösung für Ihren Schafstall
Jeder Schafstall unterscheidet sich in Querschnitt, Deckenhöhe, Abteilungsstruktur und vorherrschender Windrichtung. Selbst bei gleicher Fläche können Anzahl und Position der Ventilatoren unterschiedlich ausfallen. Eine richtige Planung beginnt mit genauen Maßen und Layoutinformationen.
Als Remair, Hersteller von HVLS-Deckenventilatoren seit 2019, können wir gemeinsam mit Ihnen den passenden Ventilatordurchmesser, die erforderliche Anzahl und die Positionierung anhand der Stallmaße und Herdengröße bestimmen. unsere HVLS-Ventilatormodelle Sie können unsere Anwendungen für Landwirtschaft und Tierhaltung ansehen und uns für Ihr Projekt über die Kontakt seite erreichen.
Häufig gestellte Fragen zur Belüftung von Schafställen
Reduziert das Scheren den Hitzestress?
Ja. Wolle wirkt als Isolierschicht und erschwert die Abgabe der Körperwärme. Eine Schur vor Beginn der heißen Jahreszeit verbessert die Wärmeabgabe deutlich. Allein reicht sie jedoch nicht aus: Auch ein geschorenes Schaf kann sich bei stehender Luft nicht ausreichend abkühlen. Sehr kurze Schur erhöht zudem das Sonnenbrandrisiko, weshalb in offenen Ställen Schatten notwendig ist. Die beste Wirkung entsteht durch rechtzeitige Schur in Kombination mit ausreichender Luftbewegung.
Erschrecken Ventilatoren die Schafe und wie lange dauert die Gewöhnung?
Beim ersten Einschalten kann die Herde unruhig reagieren, doch Schafe gewöhnen sich meist innerhalb weniger Tage daran und suchen anschließend selbst die kühleren Bereiche unter den Ventilatoren auf. Für eine leichtere Gewöhnung sollten die Ventilatoren anfangs mit niedriger Drehzahl laufen und eingeschaltet werden, wenn sich die Herde nicht im Stall befindet. Nicht der Luftstrom selbst, sondern plötzlich einsetzender Lärm und Vibrationen verursachen die größte Unruhe. Daher werden große, langsam laufende Ventilatoren von den Tieren deutlich besser akzeptiert als kleine Hochgeschwindigkeitsventilatoren.
Wie sollte die Belüftung in Ablammbuchten eingestellt werden?
Neugeborene Lämmer können ihre Körpertemperatur weniger gut halten als erwachsene Tiere und dürfen daher keinem direkten Luftstrom ausgesetzt werden. Ablammbuchten sollten entfernt von Lufteinlässen und Bereichen liegen, in denen der Ventilatorstrom direkt nach unten trifft. Dennoch dürfen diese Bereiche nicht unbelüftet bleiben, da sich auch dort Feuchtigkeit und Ammoniak ansammeln. Entscheidend ist, den Luftwechsel um die Bucht herum aufrechtzuerhalten, ohne auf Lammhöhe spürbare Zugluft zu erzeugen. Vorhänge oder Trennwände auf Buchthöhe sind eine praktische Lösung.
Wie viel Fläche wird pro Tier im Schafstall benötigt?
In geschlossenen Ställen sollten für ein erwachsenes Schaf etwa 1–1,5 m² und für ein Mutterschaf mit Lämmern 2–2,5 m² vorgesehen werden. Für Böcke und hochtragende Schafe sind größere Flächen sinnvoll. Die Fläche ist nicht nur eine Komfortfrage: Mit steigender Tierdichte nehmen Feuchtigkeit, Wärme und Ammoniak pro Flächeneinheit zu, wodurch der Belüftungsbedarf direkt steigt. In überbelegten Ställen ist die Reduzierung der Tierdichte häufig der erste Schritt zur Lösung des Belüftungsproblems.
Wie lässt sich der Ammoniakgehalt im Schafstall kontrollieren?
Die Kontrolle beruht auf drei Maßnahmen: Einstreu trocken halten, regelmäßig erneuern und einen kontinuierlichen Luftwechsel sicherstellen. Ammoniak ist leichter als Luft und steigt auf, kann sich bei fehlender Luftbewegung jedoch auch auf Tierhöhe ansammeln. Brennende Augen und ein stechender Geruch beim Betreten des Stalls sind praktische Warnzeichen; dann ist die Konzentration aus Sicht der Tiergesundheit bereits hoch. Für genaue Messungen können Ammoniak-Prüfröhrchen oder Gasdetektoren verwendet werden. Gemessen werden sollte auf Tierhöhe, etwa einen halben Meter über dem Boden.
Wie viel Strom verbraucht ein Ventilator im Schafstall?
Der Verbrauch hängt von Ventilatordurchmesser, Motorleistung und Betriebsdrehzahl ab. HVLS-Ventilatoren bewegen bei niedriger Drehzahl große Luftmengen und verbrauchen daher deutlich weniger Energie als die Anzahl kleiner Hochgeschwindigkeitsventilatoren, die für dieselbe Fläche erforderlich wäre. Da sie im Sommer tagsüber oft intermittierend und im Winter mit niedriger Drehzahl betrieben werden, liegt der Jahresverbrauch häufig unter den Erwartungen. Berechnungsmethode und Beispielwerte finden Sie in unserem Beitrag über den Stromverbrauch eines Lüftungsventilators für weitere Details.
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